Vom Schreibtisch ins Hochmoor

10000 Jahre alte Moorkiefer, gefunden in der Zufahrt zur BTK
Brigitte Holzner führte die Gruppe durchs Moor.
Torfwerk, wo heute das Büro der BTK steht.

130 Jahre Torfabbau, 20 Jahre Renaturierung. Die 800 Fußballfelder großen Nicklheimer Fuizn sind ein unschlagbarer CO2-Speicher – wenn man sie lässt. 

Kurz nach Feierabend traf sich eine Gruppe von rund 20 Kolleginnen und Kollegen mit der Raublinger Gemeinderätin Brigitte Holzner. Während des zweistündigen Rundgangs erfuhren sie, wie das benachbarte Hochmoor, auch Filzen [bayerisch: Fuizn] genannt, funktioniert und warum es für uns und die Umwelt wichtig ist. Das freiwillige Angebot wurde von BTK-Mitarbeiterin Ulrike Lehnert initiiert.

Das Prinzip Moor war schnell verstanden: Torfmoospflanzen wachsen, nehmen CO2 auf, sterben ab und versinken im sauren Moorwasser. Dort verrottet das tote Moos nicht, es verdichtet sich zur Torfschicht, die pro Jahr einen Millimeter wächst. Während der Tour erschnupperte die Gruppe Essiggeruch, spürte weichen Moosboden unter den Füßen, hörte von Spinnen, Schlangen und Moorgeistern, gruselte sich bei der Geschichte vom Bruchpilot, der bis heute nicht gefunden wurde - und trank einen Schluck Moorwasser – die Großen mit und die Kleinen ohne Alkohol.

Größter Aha-Moment für alle

Wie schnell ein intaktes Moor zerstört werden kann und wie viel Zeit dessen Regeneration in Anspruch nimmt. Dazu die Erkenntnis: Natur funktioniert, wenn man sie lässt. Genau deshalb steckte die EU im Rahmen der Sustainable Development Goals ab 2005 eine Million Euro in die Renaturierung, als Maßnahme für Klimaschutz und Vorbild für weitere Gelder aus bayerischen Fördertöpfen.

Heute sind die Gräben, die der Torfabbau gezogen hat, um das Areal trocken zu legen, zugeschüttet, der Wasserabfluss ist gestoppt. Aus einer Ödnis wie im Braunkohle-Tagebau entwickelt sich langsam wieder das Moor, wie es einst war, erzählte Holzner und betonte: „Jetzt muss es nur noch viel regnen.“

Seit 2022 dienen die Filzen als „Hervorragendes Beispiel der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen”. Begonnen hat alles mit einem See in der Eiszeit, so groß wie der Bodensee, erzählte Holzner. Dort stand das Wasser auf tonigem Boden und bildete einen Sumpf, aus dem sich eines der größten Hochmoor-Gebiete in Europa entwickelte, mit bis zu zehn Meter hohen Torfschichten. 

Über 130 Jahre lang wurde Torf massiv abgebaut.

Zunächst stachen Siedler ihn als „Kohle der Armen”. Ab 1876 wurde er in großem Stil für die aufkommenden Dampfmaschinen abgetragen und ab den 1950er Jahren schließlich für Blumenerde. In der Spitze waren 700 Menschen im Moor beschäftigt. Der Ort ist nach dem Torfbaumeister Joseph Nickl benannt.

Sechs Jahre nach der Schließung des Torfwerks errichtete die BTK die erste Logistikhalle. Später folgte die zweite und zuletzt das Bürogebäude. Ein 10.000 Jahre altes Stück Moorkiefer, das 2012 auf der untersten Torfschicht beim Bau der Zufahrt gefunden wurde, liegt im grünen Klassenzimmer mitten im Moor, wo Schülerinnen und Schülern Fauna und Flora erklärt wird. 

„Solche Ideen kommen aus den Reihen unserer Belegschaft. Das unterstützen wir, denn sie fördern sowohl den Perspektivwechsel als auch den Teamgeist. Gerne wiederholen wir die Führung für all jene, die diesmal nicht dabei sein konnten. Alternativ könnten wir auch Geschäftsbesuche vor Ort mit einer Führung und einem Gespräch über Nachhaltigkeit verbinden“, sagt Geschäftsführer Franz Weiß.